Headerbilder_Innenseiten_Herrmann.jpg
KAL_17_039_Sprechblase_Herrmann_Infothek.png

FAQ - Heizkostenabrechnung

Seit 1981 ist die jährliche Erstellung einer verbrauchsabhängige Abrechnung der Heiz- und Warmwasserkosten in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Warum die jährliche Erstellung einer Heizkostenabrechnung vorgeschrieben ist und weitere Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um die  Abrechnung haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die verbrauchsabhängige Abrechnung trägt ganz erheblich zum bewussten Energie- und Wasserverbrauch und damit zum Klimaschutz bei. Untersuchungen zeigen, dass alleine durch das Vorhandensein von Messgeräten, Einsparungen zwischen 20 % und 25% möglich sind. Nur wenn der Verbrauch gemessen wird, gehen wir sparsam mit den Ressourcen um. Pauschale Verteilungen fördern dagegen Verschwendung. Die verbrauchsabhängige Abrechnung ist eine der günstigsten Möglichkeiten der Energie- und Kosten- ersparnis und in der Heizkostenverordnung verbindlich vorgeschrieben.

Die “Verordnung über die verbrauchsabhängige Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung” wurde im Jahr 1981 eingeführt und war eine Folge des Energieeinsparungsgesetzes und den Energiekrisen aus den 1970er Jahren. Sie wurde 1984, 1989 und 2008 novelliert und stellt die rechtliche Grundlage und das Regelwerk zur Durchführung der jährlichen Wärmekostenabrechnung dar. In der Heizkostenverordnung ist geregelt, dass in zentral beheizten Mehrfamilienhäusern eine Abrechnung nach Verbrauch zu erfolgen hat und wie abzurechnen ist.

Zur Messung des Kaltwasserverbrauchs besteht für Bestandsgebäude nicht in allen Bundesländern eine gesetzliche Verpflichtung. In Neubauten schreiben die Länderbauordnungen jedoch im Regelfall seit Mitte der 1990er-Jahre die Abrechnung von Kaltwasserkosten nach Verbrauch vor. Dennoch ist es heute auch in der überwiegenden Zahl der vor den 1990er-Jahren erbauten Gebäude zweckmäßig den Kaltwasserverbrauch zu messen. Das ist eine sinnvolle Maßnahme zur Verbrauchssenkung bei stetig steigenden Wasserkosten.

Der Abrechnungszeitraum beträgt in der Regel zwölf Monate. Ob er im Sommer oder im Winter beginnt und endet, wird vom Gebäudeeigentümer festgelegt. Der Abrechnungszeitraum kann aus organisatorischen Gründen um einige Tage vom Ablesezeitraum der Messgeräte abweichen. Das Mietrecht verlangt einen höchstens 12-monatigen Abrechnungszeitraum. Bei elektronischen Geräten, die den Stichtag speichern, wird der Verbrauchswert zum festgelegten Stichtag festhalten.

Welche Kostenarten in der Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung umlagefähig sind, regelt die Heiz- kostenverordnung in § 7 für Heizung und in § 8 für Warmwasser. Grundsätzlich sind das die aufgewendeten Energie- bzw. Brennstoffkosten, aber auch regelmäßig entstehende Nebenkosten, die beim Betrieb der Heizanlage entstehen. Typisch dafür sind Kosten des Betriebsstromes, Wartungskosten, Kosten der Immis- sionsmessung, Mietkosten für Erfassungsgeräte und Abrechnungskosten.

Zwischen 30 bis 50 % der Heiz- und Warmwasserkosten eines Gebäudes werden nach einem festen Schlüssel auf die Nutzer verteilt, dies ist in der HKVO so vorgeschrieben. Grundkosten dienen zur Deckung von Wärmeverlusten der Verteilleitungen, der Bereitstellung von Wärme sowie der Fixkosten der Heizanlage, die auch ohne individuelle Wärme- oder Warmwasserabnahme entstehen. Mit Grundkosten wird auch ein gewisser Ausgleich für wärmetechnisch benachteiligte Wohnlagen geschaffen, der beispielsweise bei Dachwohnungen mit erhöhtem Heizbedarf besteht. Auch für leer stehende Wohnungen sind deshalb mindestens Grundkosten abzurechnen. Als Grundkostenanteile werden typischerweise die Wohn- oder Nutzfläche in Quadratmetern verwendet. Zulässig und zweckmäßig sind auch Kubikmeter Rauminhalte, wenn es im Gebäude unterschiedliche Raumhöhen gibt.

Der mit Mess- oder Erfassungsgeräten ermittelte und abgerechnete Verbrauch in einer Abrechnung wird Verbrauchskosten genannt. Diesen Anteil kann der Nutzer durch sein eigenes Verhalten erheblich beeinflussen. Im Gegensatz dazu werden mit Grundkosten die nicht durch eigenen Verbrauch beeinflussbaren Fixkosten der Heizanlage umgelegt.

Der Betreiber einer Heizanlage wird im Regelfall und bei mietvertraglicher Vereinbarung von den ange- schlossenen Verbrauchern monatliche Abschlagszahlungen verlangen, um damit die laufenden Energie-bezugs- und Betriebskosten zu finanzieren. Mit der endgültigen Heizkostenabrechnung nach Verbrauch werden die geleisteten Vorauszahlungen dann verrechnet, woraus sich entweder ein Guthaben oder eine Nachzahlung ergibt. Es gibt keine gesetzliche Regelung zu Vorauszahlungen.

Bei Nutzerwechsel innerhalb der Abrechnungsperiode werden für die Aufteilung der Grundkosten für Heizung sogenannte Gradtagzahlen nach VDI 2067 bzw. DIN 4713 verwendet. Liegt keine Zwischenablesung vor, werden auch Verbrauchskosten für Heizung nach Gradtagzahlen aufgeteilt. Gradtagzahlen sind das Maß für den jährlichen Wärmebedarf und sie gewichten die Monate nach ihrer Heizintensität. So hat beispielsweise der Januar einen Anteil von 17 % des Jahresheizbedarfs, der Mai dagegen nur 4 %. Eine zeitanteilige Trennung ist für Heizkosten nicht zu empfehlen, weil im Winter mehr geheizt wird als im Sommer.

Wohnungen im Dachgeschoss und Wohnungen mit größeren Außenwandflächen haben einen bis zu 40 % höheren Wärmeverbrauch als geschützte Wohnungen in Mittellage. Dieser unvermeidliche wärmetechnische Nachteil ist physikalisch bedingt und wird durch eine Abrechnung nach Verbrauch verdeutlicht. Weil typischerweise ein Teil der Heizkosten über die Grundkosten nach Fläche abgerechnet wird, ist dieser Nachteil im besten Fall bis zur Hälfte gemildert. Wärmetechnisch benachteilige Wohnlagen dürfen laut Heizkostenverordnung nicht durch Gutschriften im Rahmen der Heizkostenabrechnung entlastet werden.

Für leer stehende Wohnungen werden zumindest Grundkosten für Heizung und Warmwasser abgerechnet. Das führt bei Hausbesitzern zwar immer wieder zur Verärgerung, ist aber so in der Heizkostenverordnung geregelt und technisch zu erklären. Bis zu 50 % der Wärmekosten eines Gebäudes haben nichts mit dem individuellen Verbrauch zu tun und werden deshalb nach Wohn- oder Nutzfläche auf alle Teilnehmer der Heizanlage verteilt. Auch leer stehende Wohnungen haben deshalb Kosten zu tragen. Oftmals werden Wohnungen während des Leerstands auch renoviert und wenigstens zur Frostschutzsicherung beheizt, was die Abrechnung von Verbrauchskosten ebenfalls rechtfertigt.

Starke Verbrauchsunterschiede in der Heizkostenabrechnung innerhalb eines Gebäudes sind möglich und kommen immer wieder vor. Maßgeblich ist dafür das eigene Verbrauchsverhalten und da unterscheiden sich Menschen doch sehr stark voneinander. Die Höhe der Heizkosten wird auch von der Wohnlage im Gebäude und teilweise sogar vom nachbarlichen Heizverhalten mitbestimmt.